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Miraculus
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Deutschland
2960 Beiträge

Erstellt am: 21.07.2016 :  15:55:04 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,

das Thema hatten wir zwar im Prinzip schon, aber ich möchte es hier wieder mal aufgreifen, da vermutlich immer mal wieder verschiedene und neue Personen mitlesen.

Eine wichtige Erkenntnis zur Hypnose besteht darin, dass die hypnotisierten "Subjekte" Suggestionen keineswegs reflexhaft ausführen, sondern ihr Verhalten vielmehr intelligent an den Gesamtkontext mit seinen Erfordernissen und impliziten Suggestionen anpassen. Dies gilt auch und gerade für Personen, die (sehr) gut auf Hypnose reagieren, im traditionellen Sinne also (sehr) tief hypnotisiert sind. Dieser Aspekt wird oft vernachlässigt bzw. kommt zu kurz. Zur Veranschaulichung möchte ich auf einige entsprechenden konkreten Befunde hinweisen:

- Hochsuggestible Probanden, denen vor der Hypnose gesagt worden war, dass tief hypnotisierte Personen Suggestionen widerstehen können, konnten in der nachfolgenden Hypnose dann in der Tat den Suggestionen, die man ihnen gab, praktisch immer widerstehen. Diejenigen hingegen, denen gesagt worden war, dass tief Hypnotisierte das nicht können, konnten sich den Suggestionen dann auch nur in geringem Umfang entziehen. Die Mitglieder einer Gruppe, der erklärt worden war, dass man es noch nicht wisse, konnten etwa in der Hälfte der Fälle widerstehen.

- Einer Gruppe von hochsuggestiblen Probanden war vor der Hypnose mitgeteilt worden, dass tief hypnotisierte Personen eine hypnotische Amnesie durchbrechen können; einer anderen Gruppe war gesagt worden, dass tief hypnotisierte Probanden das nicht können. Die meisten Versuchspersonen aus der ersten, nicht jedoch aus der zweiten Gruppe konnten dann bei der anschließenden Hypnose die Amnesie tatsächlich überwinden.

- Ein Hypnoseforscher erklärte Versuchspersonen, dass bei der Hypnose spontan eine Katalepsie der dominanten Hand auftrete (was unwahr ist). Viele Versuchspersonen reagierten dann bei der anschließenden Hypnose tatsächlich mit einer solchen Katalepsie.

- Bei der Showhypnose reagieren die Teilnehmer im Allgemeinen wesentlich "dramatischer" als bei der klinischen Hypnose - und das gilt wohlgemerkt unabhängig von der "Tiefe der Trance". Klienten bei der therapeutischen Hypnose, denen z.B. suggeriert wurde, dass sie auf einem Pferd reiten, werden typischerweise äußerlich nichts tun oder nur leicht wippen (selbst wenn sie die Suggestion intensiv erleben); die Subjekte bei der Showhypnose hingegen werden auf ihren Stühlen auf- und abspringen werden. Zu den unausgesprochenen "Anforderungen" der Showhypnose gehört eben, dass die Subjekte die suggerierten Phänomene nicht nur erleben, sondern auch eindrücklich demonstrieren sollen; bei der der klinischen Hypnose ist so etwas hingegen nicht erforderlich.

- Wenn der Hypnotiseur gerade dabei ist, einen hypnotischen oder posthypnotischen Trigger aufzuheben, reagieren typischerweise selbst gute hypnotische Probanden nicht länger auf ihn. Sie erkennen offenbar, dass eine Reaktion nicht mehr gewünscht/notwendig ist,

- Etabliert ein Hypnotiseur einen posthypnotischen Trigger und beendet die Hypnose dann u.a. mit den Worten, dass alle Suggestionen aufgehoben seien, dann wird der Proband gewöhnlich dennoch auf den Trigger reagieren, wenn der ihm nach der Hypnose präsentiert wird. Er erkennt offenbar, dass seine Reaktion erwünscht ist.

- In einem Experiment wurde guten Subjekten die Suggestion gegeben, nach (!) er Hypnose jedes mal auf einen Trigger hin eine Bewegung auszuführen. Die meisten Probanden reagierten aber auch schon während (!) der Hypnose auf den Trigger - offenbar waren sie der Meinung, dass sie das sollten. (In der Tat reagierten sie während der Hypnose praktisch so oft wie nach der Hypnose.)

Man könnte auch noch viele weitere Beispiele geben. Es zeigt sich dabei aber stets dasselbe Muster: Die Hypnotisierten führen die Suggestionen keineswegs einfach geistlos, wörtlich, und "mechanisch" aus. Sondern wie (und ob) sie die Suggestionen umsetzen, machen die Subjekte von den Erfordernissen der Gesamt-Situation abhängig. Diese "Erfordernisse" analysieren und interpretieren sie, und sie versuchen offenbar, angemessen auf sie zu reagieren und ihnen gerecht zu werden. Daher wird hypnotisches Verhalten in der Hypnoseforschung häufig auch als "zielgerichtet" und "strategisch" bezeichnet.

Natürlich heißt das nicht, dass die hypnotisierten Probanden "schauspielern" würden. Die entsprechenden Zusammenhänge sind ihnen oft gar nicht bewusst, und "gute" hypnotische Subjekte erleben die Dinge, die ihnen suggeriert werden, typischerweise auch tatsächlich. Das dürfte ja auch unbestritten sein. Des Weiteren scheinen sich die Hypnotisierten selbst dann am Kontext mit seinen "Anforderungen" zu orientieren, wenn sie diesen aufgrund von Amnesie oder Halluzinationen "bewusst" eigentlich gar nicht richtig erkennen können. Die entsprechenden geistigen Prozesse (Interpretations- und Entscheidungsprozesse) können also offenbar in ihrer Gesamtheit auch rein unterbewusst ablaufen.

Diese intelligente und "strategische" Seite der Hypnose ist natürlich nur ein Teilaspekt der Hypnose - es gibt auch noch andere wichtige Aspekte. Er spielt für die Therapie und Beratung wohl auch eine geringere Rolle als für die experimentelle Hypnose (und die Showhypnose). Aber wir haben es hier zumindest doch mit einem wichtigen Gesichtspunkt zu tun, und noch dazu mit einem, der oft nicht beachtet wird. Deswegen habe ich ihm hier einen eigenen Beitrag gewidmet.

Allerdings habe ich von meiner Erfahrung sowohl als Mitglied von Hypnoseforen wie als Hypnose-Blogger her den Eindruck, dass dieser Aspekt kaum jemanden interessiert – auch wenn ich das nicht wirklich nachvollziehen kann.

Wenn irgendein Mensch etwas tun kann, kannst du es auch. (Richard Bandler)
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